Magnum Mysterium, Badische Zeitung, 04.02.2016

Zürcher Vokalisten: Chorklang von schöner Klarheit

Die Zürcher Vokalisten in der Rheinfelder Christuskirche.

Schwebende Klänge und eine mystische Stimmung erfüllten die vollbesetzte Rheinfelder Christuskirche beim Konzert „O Magnum Mysterium“. Die Zürcher Vokalisten, die immer wieder durch ambitionierte Themenprogramme auffallen, widmeten sich neuen Gregorianischen Gesängen. So stellte der Chor geistliche Vokalmusik von Komponisten der Gegenwart vor, die auf mittelalterlichen gregorianischen Chorälen aufbauen und diese in der Tonsprache der heutigen Zeit weiterentwickeln. Ein Hauch versunkener Gesänge aus Klöstern und Kirchen ferner Vergangenheit wehte heran, aufgefrischt durch zeitgenössische Tonschöpfer aus dem nordischen, baltischen, britischen und amerikanischen Raum. Und da zeigte sich, wie Kantor Rainer Marbach eingangs sagte, dass die Musik des 20. Jahrhunderts bei aller Komplexität der Klanglichkeit „sehr wohlklingend sein kann“.

Der 30-köpfige Chor unter präziser Leitung seines Gründers Christian Dillig beeindruckte in diesen modernen Vokalkompositionen mit erlesener A-Cappella-Kunst und einem exquisiten Chorklang. Die Klarheit und Transparenz des Gesangs, die Intonationsreinheit und subtile Durchzeichnung der Stimmen kamen in diesen neo-gregorianischen Gesängen vorzüglich zur Wirkung. In „Northern Lights“ des Norwegers Ola Gjeilo war dieses Durchsichtige des Klangs bis hin zum zart Verhauchenden sehr schön hörbar. Auch in Simon Wawers und Morten Lauridsens Vertonungen des „O Magnum Mysterium“ bestach der Chor durch subtile Stimmführung. Das waren klangvolle Gesänge, in denen sich das Geheimnis, die Freude und das Staunen über Christi Geburt dem heutigen Hörer faszinierend mitteilen. Eindringlich in der Klangaura von Stille und meditativer Einfachheit und prägnant geschärft in der deutlichen Artikulation interpretierten die Vokalisten die „Sieben Magnificat-Antiphonen“ des estnischen Komponisten Arvo Pärt.

„Mögen Engelsscharen dich zur Ruhe singen“, heißt es in John Taveners „Song for Athene“, einem trauererfüllten Hymnus, der sich von inniger Schlichtheit zu aufstrahlendem Klang spannt. Eine mystische Wirkung ging von Knut Nystedts Komposition „O Crux“ aus, in der sich Lichtvolles und Schmerzliches, Zartes und Dissonantes verdichten. Wie differenziert die Sängerinnen und Sänger mit Zartheit das durchschimmernde Licht suggerieren und den Klang zu unerhörter Leuchtkraft führen, ist große Chorkunst. Nicht minder faszinierend Jaakko Mäntyjärvis „Ave Maria“. Während die Männer den Choral singen, erheben sich die Frauenstimmen flüsternd. Das Sprechen und Murmeln der Frauen im Gebet und der Gesang der Männer bilden zwei Klangebenen, die sich durchdringen und verweben. Ein anderes, duftiges, farblich weich und dunkler getöntes Klangbild entstand in Duruflés „Ubi Caritas“.

Die in den Stimmlagen vom engelsgleich und lupenrein klingenden Sopran bis zum profunden Bass hervorragend besetzten Vokalisten entfalteten zum Schluss in Eric Whitacres „Alleluia“ weite Klangräume. Der Sopran entschwebte in lichte Klangsphären, der Chor spannte weite Bögen, so dass diese neue Chormusik viel Helligkeit und reine Kantabilität ausstrahlte. Für die Ovationen des begeisterten Publikums bedankten sich die Vokalisten mit Rachmaninows „Ave Maria“ aus den Vespergesängen, seelenvoll gesungen und erfüllt von Klangsinnlichkeit und Mystik.

Die Zürcher Vokalisten bei ihrem Konzert „O Magnum Mysterium“ mit neuen Gregorianischen Gesängen Foto: Roswitha Frey